Ensemble New Babylon

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Musik und Poesie – Younghi Pagh-Paan

  • Datum: 28. November 2015
  • Zeit: 20:00
  • Adresse: Dechanatstr. 13-15, 28195 Bremen
  • Ort: Konzertsaal der Hochschule für Künste Bremen

Werke von Younghi Pagh-Paan (*1945), Elnaz Seyedi (*1982) und Brigitta Muntendorf (*1982).
Dirigent: Lorenzo Ferrándiz
Konzertsaal der Hochschule für Künste Bremen (Dechanatstraße)
28. November 2015 – 20:00 Uhr

Eintritt frei – Bezahl was Du willst.

Die in Bremen lebende Komponistin Younghi Pagh-Paan zählt zweifellos zu einer der herausragenden künstlerischen Persönlichkeiten der zeitgenössischen Musik und genießt auch als Dozentin national wie international größtes Ansehen. Younghi Pagh-Paan ist eine sowohl politisch als auch sozial engagierte Künstlerin. Sie setzt sich für Frieden, menschliche Würde, wechselseitigen Respekt der Kulturen und soziale Gerechtigkeit ein. Man erlebt die Komponistin als eine stets hilfsbereite, fürsorgliche Frau, die ein tiefes Gefühl für humanistisches Verantwortungsbewusstsein in sich trägt. Anlässlich des 70. Geburtstags von Younghi Pagh-Paan präsentieren wir Werke aus verschiedenen Schaffensperioden der Komponistin. Hierbei konzentrieren wir uns hauptsächlich auf Kompositionen, die von Gedichten inspiriert entstanden sind.
Zudem werden zwei Werke von ehemaligen Studentinnen Pagh-Paans aufgeführt: shivers on speed (2013) von Brigitta Muntendorf und Oboore Roshan (2014-15) von Elnaz Seyedi.

Programm

Younghi Pagh-Paan (*1945): Imaginärer Tanz einer Dichterin (2012)
für Altflöte, Tenoroboe, Bassklarinette und Violoncello

„Es war nicht meine Absicht, mit diesem Stück das Leid der Heo Chohui, genannt Heo Nanseolheon, eine der wichtigsten Poetinnen der Joseon-Dynastie (1392-1897), zu beklagen. Ich möchte vielmehr mit meiner Musik zum Ausdruck bringen, wie Chohui mit ihren poetischen Vorstellungen über die Welt von Shinson die Grenzen der Wirklichkeit überschreitet. Mit Hilfe ihrer Kunst konnte sie der strengen gesellschaftlichen Bevormundung, der die koreanischen Frauen unterworfen waren, standhalten und immer wieder Atem schöpfen. Wie Ludwig Wittgenstein schrieb: „Es gibt allerdings Unaussprechliches: Dies zeigt sich, es ist das Mystische.“ In diesem Sinne ist Chohui eine Mystikerin in ihrer Zeit – und bleibt es für mich bis heute!“

Brigitta Muntendorf (*1982): shivers on speed (2013) für Bassflöte, Bassklarinette, Violine, Violoncello und Klavier

Younghi Pagh-Paan: Pyong-Kyong (1982) für Klavier und Schlagzeug
„Pyon-Kyong heißen die alten chinesisch-koreanischen Klingsteine aus Nephrit; (…) Den Klingsteinen und den Bronze-Glockenspielen, die aus 16 Glocken bestehen und immer mit den Klingsteinen zusammen gespielt werden, ist eine besondere Stimmung eigen: Sie erstreckt sich über eine kleine Dezime und ist chromatisch, verläuft aber in ungleichen Halbtonschritten. (…)Der Klang dieser Steine ist äußerst hell und klar; in ihm erklingt unsere Vergangenheit. (…) Einer der Gründe, warum ich mich an die seltsamen, archaischen Klingsteine erinnerte, liegt sicher darin, dass ich nach einer Entsprechung zwischen meiner koreanischen Musikauffassung und dem extrem europäischen Tasteninstrument des Konzertflügels suchte; (…) Auf diese Weise versuche ich, trotz Benutzung des Konzertflügels alle Stufen unserer materialbezogenen Musikkultur anklingen zu lassen.“

Younghi Pagh-Paan: Man-Nam I (1977) für Klarinette und Streichtrio
„Erst um die letzte Jahrhundertwende wurde das koreanische Volk mit europäischer Musik konfrontiert, und zwar durch einen deutschen Kapellmeister. Es handelte sich dabei vorwiegend um Militärmusik. Seither stehen wir – auch in unserer Ausbildung – in einem fortlaufenden Konflikt zwischen unserer traditionellen asiatischen Musikkultur und der europäisch-amerikanischen, die im Laufe der Zeit mehr und mehr an Übergewicht gewonnen hat. In meinem Stück Man-Nam I habe ich versucht, die Begegnung der beiden Kulturwelten zu gestalten, um den Kulturschock in mir selber zu überwinden. Dieses Stück wurde angeregt durch ein koreanisches Gedicht der Dichterin Sa-Im-Dang Sin (16. Jh.), in dem sie von ihrer Sehnsucht nach ihrer Mutter spricht. Sie hat es in chinesischer Schrift niedergeschrieben. Einige chinesische Schriftzeichen daraus habe ich als Symbole über die einzelnen Teile der Komposition gesetzt.“

Elnaz Seyedi (*1982): Oboore Roshan (2014-15) für Flöte (+ Piccolo), Klavier und Schlagzeug

Younghi Pagh-Paan: Wundgeträumt (2004/05) für Flöte, Oboe, Klarinette, Violine, Viola und Violoncello
„Gegenüber unserer auch in Süd-Korea verwestlichten Gegenwart, die den subjektiven, privaten Traum nicht zur Realität rechnet, Träume aber mit Vorliebe als virtuelle Sensationen über alle Medien verbreitet, sind in der ost-asiatischen Wahrnehmung Traum, Leben und Tod, Wirklichkeit und Schöpfung ein Ganzes, das die menschliche Existenz demütig werden lässt.
Wenn ich den Zeilen des Gedichts von Byung-Chul Han folge, das er für meine Arbeit am Bühnenwerk «MONDSCHATTEN» geschrieben hat, wächst aus der Pflaumenblüte die Ganzheit unseres bedrückten, zerknirschten, geschändeten Überlebens in einer ausgehöhlten Gegenwart wie unverletzt hervor. Meine Musik folgt den Gedanken und Gestalten dieser Poesie natürlich nicht Zeile um Zeile, sondern in ihren Bildern und Gegenbildern in budhistischer Tradition, die den Tod als Brücke zur Wiederkehr niemals verdrängt hat.“

Dirigent: Lorenzo Ferrándiz