Ensemble New Babylon

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PIERROT LUNAIRE – Die Klage des Clowns

  • Datum: 03/07/2014
  • Zeit: 20:00
  • Adresse: Buntentorsteinweg 112, Bremen
  • Ort: Schwankhalle

Inszeniertes Konzert zu Schönbergs ‹Pierrot Lunaire›

Vor etwas mehr als 100 Jahren wurde ein zentrales Werk der neueren Kammermusik uraufgeführt. Der ‹Pierrot lunaire› (1912) von Arnold Schönberg (1874 – 1951) ist seit seinem Skandal, den er 1913 in Prag auslöste ein bekanntes und viel diskutiertes Werk geworden. Nicht zuletzt ist die singende Rezitation der Gesangsstimme ein innovatives Mittel zu einer völlig neuen Musikalität gewesen, die sich nur noch wenig vom Theatralischen unterscheidet.
Kaum einer kennt jedoch heute noch den Verfasser der Texte, Albert Giraud. Ziel unseres Konzertes ist es auf die Vielseitigkeit des Textes einzugehen, die Tiefe an Interpretationsmöglichkeiten über eine fast flüchtige Erscheinung, den Pierrot und seine Erlebnisse und Handlungen. Was ist das entscheidende Merkmal seiner Persönlichkeit? Ist er Teil dieser Welt oder ein wandelnder Getriebener, der uns ähnlich eines Zirkusclowns mit seinem Scheitern belustigt? Das Weltfremde, die Sehnsüchte und die Einsamkeit einer scheinbar heiteren Gestalt dienen als Ausgangslage für die Inszenierung.
Den drei mal sieben Stücken Schönbergs werden weitere vier Kontraststücke gegenübergestellt, die sich in ähnlicher Weise mit der Thematik der Weltflucht oder der Verfremdung beschäftigen. Präludium und Postludium zum Pierrot sollen zwei Stücke in Bearbeitung für Ensemble von Don Carlo Gesualdo (1566 – 1613)werden. Bei kaum einem anderen Komponisten der Renaissancemusik lässt sich der Text derart stark in der Musik nachvollziehen. Seine Kompositionen machen den Schmerz von Verlust, eben auch die Einsamkeit und die Todessehnsucht geradezu spürbar. Gesualdos fast autobiographisches Leid lässt den Protagonisten seiner Textvertonungen ebenfalls verloren und weltfremd erscheinen, dessen Lebensfreude sich scheinbar einzig auf den Schmerz – die Melancholie – gelegt hat.
Das Trio ‹Lidschlag› (2013) für Oboe, Violoncello und Klavier von Alexander F. Müller (*1987) wird ebenso wie das Klavierstück ‹1·2› (2014) von Andreas Paparousos (*1975) als Einschub zwischen den drei Pierrot-Teilen erklingen. Das Trio beschäftigt sich mit dem Roman ‹Mein Name sei Gantenbein› von Max Frisch. Das Stück geht nicht von direkten Textstellen aus, sondern versucht die abstrakte Erzählstruktur des Romans und seinem Antihelden, der scheinbar in jede Rolle zu schlüpfen vermag, indem er vorgibt blind zu sein, auf die Form des Stücks zu übertragen.
Gantenbein markiert folglich den dritten Charakter neben Pierrot und Gesualdos fiktivem Protagonist, der sich weltfremd fühlt und sich sogar bewusst zum Ausstieg aus der Gesellschaft und damit der Einsamkeit entscheidet. Paparousos hingegen beschäftigt sich in seinem Klavierstück mit der Philosophie Martin Heideggers. Ein zentrales Textstück aus dessen Werk ‹Sein und Zeit› soll die aufgeworfenen Fragen der drei porträtierten Gestalten vereinen. Im Anschluss ist eine offene Gesprächsrunde geplant, die dem Austausch der vielen Eindrücke dienen soll.

„Resignation war gestern. Das verlockende musikalische Menü des Ensembles New Babylon [bietet] durch eine intelligente Zusammenstellung einen eindrucksvollen Blick auf die faszinierende Klanglichkeit und das breite Spektrum kompositorischer Möglichkeiten kammermusikalischer Werke.“ Michael Pitz-Grewenig im Weser-Kurier