Ensemble New Babylon

Events

The show must go on – eine 48 h nonstop Performance

  • Datum: 26/08/2016
  • Zeit: 20:00
  • Adresse: Theater Bremen, kleines Haus, Goetheplatz 1–3, 28203 Bremen
  • Ort: NOON (Theater Bremen)

Freitag, 26.08.2016, 20:00 Uhr bis Sonntag, 28.08.2016, 20:00 Uhr – 48 h nonstop! Tag und Nacht!
Im NOON http://noon.jetzt/

Programmablauf

Eine Show/ein Konzert läuft weiter und weiter, mal gibt es Musik, mal Interviews, mal Performances, mal Spannendes, mal Langweiliges, aber immer läuft die Show, immer ist das, was auf der Bühne stattfindet, ausgestellt und dem Publikum preisgegeben. Die Mitglieder des Ensemble New Babylon leben in der Show und mit der Show, sie schlafen und essen auf der Bühne, um auch das zu einer Show zu machen, damit die Show nie aufhört, damit immer was läuft, immer neue Musik, Bilder und Informationen produziert werden, die konsumiert werden können. Es wird moderiert, mal für eine Ankündigung, mal für eine Werbung, mal zum Selbstzweck. Show um ihrer selbst willen, eine leere Hülse. Dann entstehen wieder Momente von Tiefe, Neue Musik wird geprobt, untersucht, analysiert, diskutiert, gespielt. Es entzünden sich gesellschaftliche, politische, philosophische Themen an der gehörten Musik und treten in den Mittelpunkt. Dann werden sie wieder weggewischt, die Likes der Zuschauer sind letztlich entscheidend fürs Überleben eines Themas, einer Musik, eines Bildes.

Die Musiker des Ensemble New Babylon sind Tag und Nacht auf der Bühne, präsentieren sich und ihre Musik, laden andere Musiker, Künstler, Tänzer ein, um sich in den Vordergrund zu spielen, oder auch geschickt im Hintergrund zu agieren, bis man den Moment seines Coming-out plazieren kann.
Das Publikum ist rund um die Uhr da, um zuzuhören, sich entertainen zu lassen, aber auch Einfluss zu nehmen aufs Geschehen, vor allem durch Likes, und in bestimmten Momenten selbst auf die Bühne zu kommen, um selbst Likes zu bekommen und in der Öffentlichkeit zu stehen.

Die israelische Sängerin, Schauspielerin und Schriftstellerin Rilli Willow ist als Moderatorin dabei, immer bereit ein Thema aufzunehmen und auszunehmen, in langen Interviews und Talkrunden in die Tiefen und Untiefen des Musik-Machens einzutauchen, oder die Sprache auf andere Themen zu bringen, die scheinbar nicht Thema der Musik sind, aber dann zum Thema der Musik werden. Und um dann an geeigneter Stelle unbemerkt ihre eigenen Likes einzuheimsen.

Am Ende steuert die Performance auf eine Zusammenführung aller Beteiligten hin, der Überlebenskampf zwischen den Einzelnen wird zur Symphonie, in der alle ihren Platz haben, sich die Einzel-Stücke zu einem Großen und Ganzen zusammenfügen, das Sich-gegenseitig-ausbooten nur noch musikalisch umgesetzt wird, keiner mehr auf seine eigenen Likes bedacht ist. Und doch bleibt das System der Likes bestehen und zerfrisst möglicherweise die Utopie des perfekten Zusammenspiels.

Diese Performance reflektiert heutige Selbstdarstellungsmittel wie Facebook, WhatsApp und Blogs einerseits und nimmt andererseits Bezug zu dem nie endenden Strom an Informationen, Bildern, Nachrichten, dem wir ausgesetzt sind. Diesem nicht enden wollenden „Vorwärts!“-Appell, der versteckt ist in immer neuen Auto-, Computer-, Handy-Modellen, in der geplanten Obsoleszenz, den immer schon gleich wieder veralteten Nachrichten, dem Geld-Spekulations-System, das seine Zinsen bezahlt haben will. Wir wollen nicht veralten, wir wollen jung bleiben, also müssen wir auch immer auf Trab bleiben, den Laden am Laufen, am Leben halten, und wir wollen nicht untergehen in der Masse, also immer posten, posten, posten, damit keiner vergisst, dass ich da bin, damit man mich sieht, meine tolle Seite sieht, meine tolle Web-Seite sieht.